Ökumenisches Abendgebet führt zum „Streitgespräch“

Ökumenisches Abendgebet führt zum „Streitgespräch“

Engel der Stille und Pfarrer im Clinch

29.03.2017

Zweimal pro Jahr treffen sich evangelische und katholische Christen zu einem gemeinsamen Gebet, im Wechsel in der Christuskirche oder der Hauskapelle von St. Elisabeth. Gestaltet wird das Abendgebet jeweils gemeinsam mit ausgewählten Texten und Liedern zu einem bestimmten Thema. Musikalisch tragen der Chor EinKlang unter Leitung von Armin Karwath und die Singgruppe Adiuva sana von Sr. Rosalinda dazu bei.

Um Engel ging es diesmal – um Engel des Verzeihens, der Gemeinschaft, der Stille – um den Engel, den ein jeder für einen anderen sein kann. Danach wird immer ein Imbiss angeboten, der diesmal ein besonders unterhaltsames, aber auch lehrreiches Zusatz-Programm bot.

Die Pfarreiengemeinschaft St. Emmeram Windischeschenbach und Heilig Geist Neuhaus hat sich für das Jahresthema „Ökumene“ entschieden, und um Unterschiede zwischen beiden Konfessionen ging es im „Streit“, den Stadtpfarrer Hubert Bartel und Pfarrer Christoph Zeh dann „vom Zaun brachen“.

Da ging es zuerst um das sich unterscheidende Abendmahlverständnis. „Ihr zaubert“ stellte der evangelische Geistliche fest, nachdem Brot und Wein nach katholischer Lehre Leib und Blut Christi bleiben, was mit dem Fachbegriff „Transsubstantiation“ (Pfarrer Bartel: „Respekt, des Wort kennst du aa?“) beschrieben wird, während nach dem evangelischen Gottesdienst Brot und Wein wieder profane Lebensmittel sind.

Die theologischen Erklärungen wurden durch das bodenständige Zwiegespräch aufgelockert und vermittelt; da gab Pfarrer Bartel über den Verbleib des übrigen gewandelten Weines die Auskunft „den mou i aastrinka“ um auf die Frage seines evangelischen Kollegen „warum dann nicht Wein für alle?“ zu erwidern „a Unterschied mou saa“.

Man tauschte sich auch darüber aus, dass die Katholiken „G’weichte“ (also Geweihte) haben, während es in der evangelischen Kirche Ordinierte gibt. Auch bei der Zahl der Sakramente gibt es Unterschiede: Katholiken haben sieben; „bei uns langa zwaa“, wie Pfarrer Zeh feststellte, der auch einen Witz zur Krankensalbung – früher Letzte Ölung genannt – beisteuerte, bei dem der Sterbende eher skeptisch ist und „bloß nix Fettiges“ möchte.

„Sola scriptura“ (nur durch die Schrift) definiert die evangelische Kirche ihr Sakramentenverständnis, während bei den Katholiken auch Traditionen eine Rolle spielen. Die Neckereien befassten sich mit dem Buß-und Bettag, wobei Zweifel geäußert wurden, ob der eventuell hauptsächlich genutzt wird, um im Bett zu bleiben, außerdem mit den Heiligen und auch mit der Rolle des Papstes, denn wie Pfarrer Bartel scherzhaft meinte: „Wenn der Juniorchef im Himmel ist, braucht er einen Stellvertreter in Rom“.

So ging es Schlag auf Schlag, wobei die unterschiedliche Mundart – Pfarrer Zeh argumentierte fränkisch, Pfarrer Bartel oberpfälzisch/niederbayrisch – ein weiterer spaßiger Unterhaltungsfaktor war. Nach weiteren vehementen verbalen Auseinandersetzungen kamen beide schließlich zu dem versöhnlichen Ergebnis: „Menschen seids aa, Christen seids aa“ und „samma wieder guat“ und beendeten den Disput mit einer brüderlichen Umarmung.

 

Ein ernsthafteres Fazit war „Der Glaube an die Auferstehung verbindet uns“. Dass die Zuhörer sich beim fingierten Streit nicht nur amüsiert haben, sondern dass auch Denkanstösse gegeben wurden, zeigten die weiteren interessierten Fragen aus der Runde